Im Schnellzug durch die Geschichte Ohmstals

Das Gebiet der heutigen Gemeinde Ohmstal war vermutlich bereits um 800 besiedelt. Der Hof Ohmstal wird allerdings erst um 1150 in den Acta Murensia urkundlich erwähnt - damals gehörte der Hof zu den Besitzungen des Klosters Mudri im Aargau. Vermutlich lag der Hof OHmstal in der Gegend Bachmatt-Fadenhof. Mit Bestimmtheit kann dies allerdings nicht gesagt werden. Die sporadischen Erwähnungen Ohmstals in den verschiedenen Klosterurbaren und Steuerrodeln des Klosters Muri und späterer St. Urbans bzw. Einsiedelns verdeutlichen das System mittelalterlicher Herrschaftsausübung.

Die Rangordnung innerhalb einer Siedlung

Die Landbevölkerung als solche verfügte politisch über keinerlei Mitbestimmung, aber sie konnte sich innerhalb ihrer Dörfer oder Siedlungen selbst verwalten. In der Gemeinde gab es mit unterschiedlichen Rechten versehene Bevölkerungsgruppen. Dies war auch in Ohmstal-Niederwil so, doch in welchem Zahlenverhältnis sie zueinander standen, kann nicht festgestellt werden. Unterschieden wurde zwischen:

  • Vollberechtigte Gemeindemitglieder
  • Niedergelassene, die nur vorübergehend aufgenommen wurden
  • Eingeteilte, die heimatlos waren oder als Konvertiten kein Heimatrecht besassen
  • Tauner oder Tagelöhner, die aufgrund der geringen Grösse ihrer Höfe auf einen Nebenverdienst als Tagelöhner angewiesen waren

Lebensbedingungen

An schlimmen Zeiten mangelte es in unserer Geschichte nicht. In früheren Jahrhunderten waren eher die guten Zeiten die Ausnahme und diejenigen, denen es wirtschaftlich gut ging, waren eindeutig in der Minderheit. Die Ursachen für die Armut waren vielfältig: Über technische Hilfsmittel verfügten die Bauern kaum; wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie man den Boden bewirtschaften und bessere Erträge erzielen kann, fanden erst allmählich Ende des 18. Jahrhunderts Verbreitung. Im Vergleich zum ausgehenden 20. Jahrhundert waren die früheren Jahrhunderte im allgemeinen kälter und feuchter. Den Naturgewalten war man (fast) vollkommen ausgeliefert und unmittelbare Folge eines Schicksalsschlages wie einer Missernte, Viehseuche, Brandkatastrophe, einer Überschwemmung oder eines Erdrutsches war die Verarmung der Betroffenen.

Im Mittelalter galt Arbeit - im Gegensatz zu heute - nicht als Tugend. Arbeit war gleichbedeutend mit Mühe, Plage und Beschwerlichkeit. Führt man sich vor Augen, unter welchen Bedingungen der mittelalterliche Mensch arbeiten musste, ist dies kaum verwunderlich. Die Äcker wurden mit dem Spaten umgegraben; das Getreide mit der Sichel und nicht mit der Sense geschnitten; selbst äusserst primitive Pflüge sind im 15. Jahrhundert noch selten anzutreffen. Seit dem 15. Jahrhundert wurden vermehrt Geräte eingesetzt, aber die Produktivität blieb gering.

Es erstaunt gewiss, wie einseitig die Ernährung der Landbevölkerung in den vergangenen Jahrhunderten war. Obwohl Verschiedenstes angebaut und Vieh gehalten wurde, beschränkten sich die Mahlzeiten hauptsächlich auf Brot und Mus, bis sich die Kartoffel Ende des 18. Jahrhunderts endlich durchsetzen konnte.

Die alten noch erhaltenen Ohmstaler Bauernhäuser zeugen davon, wie erfolgreich gewirtschaftet wurde. Unter-Bachmatt, das um 1700 erbaut wurde, lässt trotz aller Umbauten heute noch erkennen, wie Wohnräume und Stallgebäude verbunden waren. Die gemütliche Bauernstube, die wir uns heute oft vorstellen, gab es damals noch nicht. Erst später wurde die Stube, der einzige rauchfreie Raum im Haus, üblich; dieser zeichnete sich durch einen geschlossenen Ofen aus. Die Räume im Innern des Hauses waren durch die stark heruntergezogenen Dächer und die kleinen Fensteroft sehr dunkel. Da es keine Kamine gab, konnte der Feuerrauch schlecht bzw. gar nicht abziehen - ein Umstand, der zum Räuchern von Fleischprodukten genutzt wurde.

Politik

Ab wann Ohmstal bzw. Niederwil eigentliche Gemeinden mit eigenen politischen Stukturen waren, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Zur Zeit der Helvetik, zwischen 1798-1803, umfasste die "Agentschaft Alberswil" neben Alberswil auch Ohmstal und Niederwil. Aus Jakob Lichtsteiners Bericht über die Gemeindegeschichte geht hervor: "Niederwil [soll] zur Revolutionszeit schon eine Munizipalität oder eigene Gemeinde gebildet haben". Über Ohmstal schreibt er, es solle während der Rvolutionszeit zur Gemeinde Schötz gehört haben, wohin es auch Kriegssteuern zahlte und habe erst ab 1803 eine eigene Gemeinde gebildet. Die heute ältesten erhaltenen Dokumente sind die Protokolle von Ohmstal bzw. Niederwil, deren erste Eintragungen ins Jahr 1811 bzw. 1805 fallen und in denen über die politische Organisation der "Gemeinden" keine Aussagen gemacht werden.

Bereits im Jahr 1819 wurden die beiden Gemeinden Ohmstal und Niederwil zur Gemeinde Ohmstal zusammengelegt, was die beiden Sterne im Wappen von Ohmstal symbolisieren. Obwohl Ohmstal nun aus zwei Ortsteilen bestand, handelte es sich bei dieser Gemeinde noch immer nicht um ein eigentliches Dorf. Bis 1980 blieb Ohmstal die einzige Gemeinde im Kanton Luzern ohne Dorf.

Home